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Über mich und diesen Blog

Muraho (Guten Tag auf Kinyarwanda)! Knapp eine Woche ist es nun her, dass ich meine zwei Bewerbungen als weltwärts-Freiwilliger abgeschickt habe.

Natürlich habe ich auch schon Einsatzplätze im Auge, zu denen ich am liebsten möchte. Das sind einmal die APACE Secondary School in Kigali, der Hauptstadt Ruandas und das Bethel College in Ruhango, einer Stadt zwischen Kigali und Huye (früher Butare). Die erste Stelle ist von artefact ausgeschrieben, die zweite von Friends of Ruanda. Beides sind recht kleine Entsendeorganisationen.

Ja, richtig erkannt, bei beiden handelt es sich um Schulen, ich möchte ein Jahr Assistenzlehrer werden.  Bildung gehört zu den effektivsten und vorallem nachhaltigsten Entwicklungshilfen überhaupt; Stichwort „Hilfe zur Selbsthilfe“. Da in Ruanda vor etwa 10 Jahren erst auf Englisch umgestellt wurde, gibt es nach wie vor zu wenig englischsprachige Lehrer. Des weiteren wird Ruanda eine ähnliche wirtschaftliche Entwicklung bevorstehen wie Deutschland, nämlich richtung Dienstleistungssektor. Das liegt vor allem an der hohen Bevölkerungsdichte, der hügeligen Landschaft und der daraus folgenden Bodenknappheit.

Warum denn nun unbedingt Ruanda? Die Frage ist wirklich gut und berechtigt. Dass mein Freiwilligenjahr nach Afrika gehen muss, hätte schon vor 5 Jahren festegstanden, hätte ich damals schon Weltwärts gekannt. Ich bin, wenn man das so nennen mag, Afrika-verrückt. Ruanda weil:

  • Klein, übersichtlich, ein Volk, eine indigene Sprache. In vielen afrikanischen Ländern gibt es den bunten Kulturenbrei, auch mal mit zweistelligen Zahlen an einheimischen Sprachen und Völkern. In Ruanda hingegen lebt nur ein Volk, dass nur eine Sprache spricht: Kinyarwanda. Somit fällt die Integration in das Land und auch die Kultur deutlich leichter. Die Trennung zwischen Hutu und Tutsi ist übrigens eine Erfindung aus der Kolonialzeit und heute verboten.
  • Eine recht stabile politische Lage. Nachdem der jetzige Präsident Paul Kagame 1994 den Völkermord (Genozid) beendete, übernahm er im Jahr 2000 das Amt des Präsidenten. Seit dem hat er dem Land einen gewaltigen Aufschwung gegeben. Das Wirtschaftswachstum liegt bei etwa 8%! Trotz seiner Kehrseiten wird er von den Ruandern als Präsident akzeptiert. Schließlich hat er sehr viel gutes getan in sehr kurzer Zeit. Im Sommer nächsten Jahres sind wieder Wahlen, hoffentlichen verlaufen sie ruhig.
  • Angenehmes Klima. Das ganze Jahr über angenehme 25°C. Es wird nicht zwischen Frühling, Sommer, Herbst und Winter unterschieden, sondern nur zwischen Regen und Trockenzeit. Das schöne: die 25°C gelten auch in der Regenzeit. Mehr zum Klima hier.
  • Wunderschöne Landschaft. Ein Bekannter von mir, ebenfalls Ruander, behauptet die vielen grünen Hügel Ruandas erinnern ihn stark an die Eifel. Wenn man sich Bilder anschaut wird einem auch schnell klar, wie recht er damit hat.
  • Sehr offene Gesellschaft. Das ist jetzt sehr subjektiv, doch wird das garantiert jeder behaupten den man fragt und sich halbwegs mit diesem Land auskennt. Vicky schrieb dazu auf ihrem Blog: „Die Ruander sind sehr offen, es kommt so gut wie nie vor, ohne einen neuen Kontakt aus dem Bus auszusteigen“. Sowas vermisse ich in Deutschland sehr. Hier wird man schon wie ein Alien betrachtet, wenn man sich in einem fast leeren Bus neben jemanden setzt.
  • Sehr geringe Kriminalitätsrate. Hier mal ein Vergleich zwischen Frankfurt a.M. und Kigli, der Hauptstadt. Man muss allerdings dazusagen, dass es in Kigali üblich ist, dass an der Straße Militärs postieren. Nicht aus irgendeinem Anlass, sondern eher um präsenz zu zeigen und präventiv gegenüber Verbrechen zu wirken. Boko Haram ist kein Thema, denn die sind eher im Norden Nigerias, also gute 2500km weiter.
  • Sehr sauber, guter Umweltschutz. 98% der in Ruanda produzierten Energie stammt aus Wasserkraft (etwas veraltete Zahl aus meinem Hinterkopf, dürfte aber immernoch recht hoch liegen). Außerdem gibt es wenig Probleme mit herumliegendem Müll, da spätestens am 4. Samstag im Monat man selbst den Müll wieder wegräumen muss. Der Grund: Umuganda-Tag. Das heißt: Gemeinschaftsarbeit von morgens bis mittags um 12, verpflichtend. Geschäfte haben geschlossen, jeder packt mit an. Sollte meiner Meinung nach auch in Deutschland eingeführt werden.
  • Weniger schlimme Probleme mit Krankheiten, brauchbares Gesundheitssystem. Ja hier stimmt dann doch mal der Afrikastereotyp etwas (!). Malaria ist allerdings meist nur saisonal gegenwärtig und heilbar. Nein man stirbt nicht sofort, wenn man an Malaria erkrankt. Es gibt auch Krankenhäuser, dieser kennen sich mit der Behandlung bestens aus. Malaria ist dort wie hier eine Grippe. Geht man früh genug zum Arzt, gibt es selten Probleme. Es gibt noch eine Reihe weiterer Krankheiten, allerdings hilft gegen eine Ansteckung doch der gesunde Menschenverstand sehr gut.
  • Vieles ist sehr billig. Mit 50€ im Monat ist dort ein Leben ohne Hungern gut möglich. Teure Ausnahmen sind sämtliche westliche Güter wie Schokolade oder Autos. Öffentliche Transportmittel wie Moto(rrad)taxis oder Busse sind dafür sehr günstig.
  • Gut ausgebautes Mobilfunknetz. Aufgrund der dichtesten Besiedlung Afrikas (468 Einwohner/km²) hat man eigentlich überall etwas Empfang. Breitbandanschlüsse im Privatbereich sind Luxus und unerschwinglich. Strom und Wasser werden übrigens über das Handy per SMS bezahlt!

Irgendwo muss es natürlich auch einen Haken geben. Das sind für mich insbesondere:

  • Die oben genannten Kehrseiten der Politik, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde.
  • Die instabile Stromverorgung, welche für mich als leidenschaftlicher IT-Freak etwas schade ist. Wasser gibts auch ab und zu keins, dafür haben aber viele Häuser eigene Wassertanks.
  • Die Ältere Generation spricht immer noch nur Kinyarwanda, einige zusätzlich Französisch. Kommt daher, dass Ruanda bis in die 60er eine belgische Kolonie war. Im Vergangenen Jahrzehnt wurde recht kurzfristig der Unterricht auf Englisch umgestellt, dass heißt ich werde wohl spätestens gegen Ende meines Jahres dreisprachig dort unterwegs sein: Englisch, Französisch und (hoffentlich bis dahin alltagstaugliches) Kinyarwanda.

Ich hoffe euch hat mein erster Blogeintrag gefallen und ich konnte ein paar erste Stereotypen beseitigen :).

Euer Martin.

 

PS: besonderer Dank geht noch an:

  • meine Familie dafür, dass ich sie mehrmals wöchentlich mit Ruanda zutexten darf und sie mein ungewöhnliches Interesse so akzeptieren.
  • Antoine, für die vielen Stunden die wir über Afrika geredet haben. Es ist ja doch etwas ganz Anderes ob man etwas liest, oder erzählt bekommt von jemandem, der alles selbst miterlebt hat.
  • Louisa Glatthaar, für ihren sehr informativen und ausführlichen Blog, Nette Gespräche und Tipps zu diesem Blog.
  • Weltwärts, artefact und Friends of Ruanda (FoR), die mir diese Reise (hoffentlich) ermöglichen werden.
  • WordPress für ein tolles Blogging CMS, netcup für ein sehr günstiges und zuverlässiges Hosting.
  • Alle zukünftigen Spender! Ohne euch bräuchte ich das hier gar nicht erst schreiben!
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