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Ankunft

Muraho!
Kaum zu glauben, dass es nun schon der zweite Tag hier ist, die Zeit vergeht echt im Flug.

Nach problemlosen 9 Stunden Flug (+3h Wartezit in Istanbul) sind wir am Donnerstag kurz nach Mitternacht gut in Kigali angekommen.
Wir wurden sehr freundlich von Lehrern der beteiligten Schulen empfangen und zum Hotel gebracht, wo wir die erste Nacht verbrachten. Anschließend haben wir kurz nach unserer Ankunft noch Getränke angeboten bekommen, Fotos gemacht und etwas geredet. Ich habe mir ein Mützig geholt, ein in Ruanda gebrautes Bier (der Name täuscht, es ist keine deutsche Firma). Hat sogar ein bisschen was von Bitburger, nur etwas weniger herb, dafür süßer. Die Freiwilligen in Gisenyi/Rubavu haben das Glück, dass Selina, Freiwillige vom letzten Jahr, noch um ein halbes Jahr verlängert hat. Das heißt sie haben einen deutlich leichteren Einstieg.


Nach unserer ersten Nacht hatten wir geplant uns um 9 Uhr wieder am Hotel zu treffen, da nicht alle dort geschlafen haben. Jean Marie (APARUDE Vorsitzender) war auch pünktlich dort, die anderen kamen aber über eine Stunde zu spät. Grund dafür war wohl, dass sie vom Vermieter des Leihwagens ein kleineres Auto erhalten haben als abgesprochen. Was ja uch nicht schlimm gewesen wäre, wenn wir nicht alle fast 40kg Gepäck bei uns gehabt hätten.
Um halb 10 sind wir dann aber endlich aufgebrochen zum Simba (eine Kombi aus Supermarkt und Restaurant in Kigali), wo wir unser lang ersehntes Frühstück kaufen konnten. Nachdem ich einen Tag nur Häppchen im Flugzeug, eine Brezel in Frankfurt und ein viertel Pizza in Istanbul gegessen hatte, war ich so Hungrig, dass ich mir 2 Sandwiches (für 1200Rwf/Stück) bestellt habe. Ein Sandwich waren dann aber 2 Stücke belegtes Baguette á 15cm, das heißt ich habe am Ende 60cm Baguette verdrückt. Ich war SATT. Anschließend noch etwas Wasser gekauft, Geld gewechselt und auf gings nach Ruhango, etwa ein einhalb Stunden Fahrt.
Gewöhnungsbedürftig ist hier der Verkehr. Dieser wirkt auf den ersten Blick total chaotisch und gefährlich, aber nach einiger Zeit fällt einem doch auf, dass die Ruander sehr vorsichtig fahren. Ich würde sogar behaupten vorsichtiger als die meisten Deutschen. Es gelten wohl die Regeln „Pass auf den Anderen auf“, „Wenn jemand beiseite soll, hupe“. Generell wird sehr angepasst gefahren. Oft ist mir aufgefallen, dass nur die Hälfte der erlaubten Geschwindigkeit gefahren wird, weil zu viele Menschen neben der Straße sind. Es wäre interessant eine Unfallstatistik von Ruanda zu sehen und diese mit Deutschland zu vergleichen. Sollte ich eine finden, werde ich dazu garantiert noch einen Beitrag schreiben. Zur Straßenbeschaffenheit: sehr gut auf den Hauptverkehrstraßen. Bis jetzt nur eine einzige unbefestigte Straße gesehen und das ist die zu unserem Haus. Straßenlaternen haben wir trotzdem auch vorm Haus.
Als wir ankamen, wurden wir gleich den Nachbarn vorgestellt. Diese sind wirklich sehr nett und hilfsbereit. Außerdem haben wir versucht einen Überblick über die Schlüssel zu bekommen, da wir an die
10 Schlösser haben. Dummerweise sehen alle Schlüssel exakt gleich aus, weshalb wir sie mit Edding markieren mussten. Zu unseren Zimmern: Kommt man zur Haustüre rein, steht man im Wohnzimmer. Nach rechts geht es in mein Schlafzimmer und Badezimmer, nach links zu Lisas Schlaf- und Badezimmer. Außerdem ist auf ihrer Seite auch die Küche. Technische Ausstattung: 2 mobile Gasherdplatten, ein Kühlschrank (!). Licht ist natürlich überall vorhanden, wir haben auch richtige Toiletten mit fließendem Wasser und eine kalte Dusche (man duscht wie von Geisterhand deutlich kürzer). Insgesamt ist das Haus sehr schön. Keine Strohhütte (gibt es hier sowieso fast gar nicht), sondern ein festes Dach, Fenster die man öffnen kann, ein richtiges Bett aus Massivholz, Schränke, Tische … Mir fehlt es an nichts hier. Dabei ist unser Haus keine Ausnahme, nur weil wir weiß sind.
Abends sind wir dann zusammen in ein Hotelrestaurant gegangen, haben etwas gegessen und getrunken. Kulturelle Verwirrung die Erste: die Ersten machen sich auf den Weg und ich stehe auf, um die Hand zu geben. Darauf hin stehen aber auch alle anderen auf, trinken ihr Glas auf ex leer und wir machen sich auf den Weg. Ehe ich begriffen habe was passiert ist, stehen wir schon draußen. Wenige Minuten später habe ich dann gefragt, ob es überhaupt üblich ist, aufzustehen wenn sich jemand verabschiedet. Es stellte sich heraus, dass es nicht üblich ist, und ich mit meinem Aufstehen gezeigt habe, auch gehen zu wollen (was ich eigentlich noch gar nicht wollte). Dumm gelaufen, egal, wir hatten was zu lachen und sind nach Hause. Emanuel und Felix, zwei Lehrer von der Schule, haben uns noch bis zur Haustür begleitet. Beide sind sehr nett und hilfsbereit. Sie erklärten sich auch dazu bereit, uns Morgen noch etwas weiter das Dorf zu zeigen, wofür wir uns auf eine Uhrzeit einigen wollten. Lisa und ich tauschen uns aus, antwortet auf eine Frage meinerseits mit „nein“ und ich erwähne auf Englisch, dass es schon zehn Uhr ist. Missverständnis 2: Emanuel sagt „Okay, so Lisa said 9 [eigentlich deutsches „nein“], Martin said 10 [ich meinte die Uhrzeit am Abend], so we say 9:30″. Ehe wir was einwenden konnten, haben sich die beiden schon wieder auf den Weg gemacht. Dabei waren wir noch gar nicht fertig und hätten eigentlich etwas früher anfangen wollen. Wie die beiden auf 9 und 10 Uhr kamen, ist uns erst einige Stunden später aufgefallen.
Lektion des Tages: bei Missverständnissen direkt etwas einwenden.

Tag 2: ich wache schon um halb 7 auf versuche noch etwas Zeit tot zu schlagen. Etwas verspätet treffen Emanuel und Felix ein, wir schnappen unsere Pässe (notwendig um Simkarten zu erhalten) und den leeren 20l Trinkwasserbehälter. Kurz dazu: es gibt hier einen Laden, wo man für 2000Rwf 20 Liter Trinkwasser in seinen Kanister auffüllen lassen kann. Dies wird von der Firma Jibu gemacht, die Kanister auch versiegelt. Unten dran ist dann auch ein Zapfhahn. Wirklich sehr praktisch, günstig und umweltfreundlich.
Erstmal haben wir unseren leeren Kanister abgegeben und sind dann weiter zum MTN Shop. MTN ist der beste Handynetzbetreiber hier, hat aber auch etwas höhere Preise als die Anderen. Problem: die Software kennt nur ruandische Adressen. Ich muss also irgendwie meine Adresse in District, Sector, Cell und noch irgendwas angeben. Irgendwie haben wir es dann doch hinbekommen und nach über einer halben Stunde hatten wir beide endlich Internet. An alle die sich viele Sorgen gemacht haben, es tut mir leid!
Anschließend sind wir auf den Markt, was mir wohl in Zukunft am schwierigsten für mich wird, zusammen mit der Essensumstellung. Natürlich gibt es die Möglichkeit das gewohnte Essen zu bekommen, ist aber deutlich schwieriger und vor allem teurer. Daher kommen nun zwei Dinge auf einmal: einheimische Gerichte kennen lernen, auf dem Markt kaufen und kochen. Mal sehen wie das klappt, denn bis jetzt gab es nur Penne mit einer äußerst simplen Tomatensauce. Ansonsten werde ich eine Menge Bananen essen, da diese hier wirklich gut sind und sehr günstig. Ersetzt durchaus ein Frühstück, wo bei mir sonst Brot auf dem Tisch stand. Es gibt auch mehr als eine Sorte, im Gegensatz zu Deutschland.
Abschließend sind wir nochmal zu Jibu und haben uns unsere volle Flasche Wasser abgeholt. Hat man schwere Waren ist es üblich einen von den vielen „Trägern“ anzuheuern. Diese haben Fahrräder mit verstärktem Gepäckträger und Gummibändern, auf dem alles abgeladen wird. Ab da hat er dann das Fahrrad mit uns zu unserem Haus geschoben. Gekostet hat dies etwa 200Rwf, ein Preis den Emanuel vorher verhandelt hat. Solche Dienste sind hier üblich und werden nicht nur von Eintrag zu schreiben. Fertig wurde ich nicht…

Tag 3 (heute): Putzen. Nachdem das Haus hier einen halben Monat leer stand, haben wir uns dazu entschieden alles einmal grund zu reinigen, besonders die Küche. Das hat schonmal den ganzen Vormittag in Anspruch genommen. Zusätzlich haben wir das erste bisschen Wäsche von Hand gewaschen. So schlimm wie man es sich vorstellt, ist es gar nicht. Natürlich dauert es länger und Flecken bekommt man nicht so gut raus, aber von Hand zu waschen stellt für mich kein großes Hindernis dar. Ähnliches gilt für’s Spülen. Wir sind einfach sehr daran gewöhnt diese Dinge zu haben, aber wenn wir sie nicht hätten und nicht kennen würden, würden wir sie auch kaum vermissen.
Nachmittags wollte ich (besonders nachdem meine Mama mich bereits darauf hinwies, dass viele Leute nach mir Fragen), endlich diesen Eintrag zu ende schreiben. Unterbrochen wurde ich von Theo, einem Freund meines Vorfreiwlligen Till. Dieser hatte sich einen Kater zugelegt, den er an uns weitergeben wollte. Lisa und ich stimmten dem zu, weshalb er (der Kater Momo) vor Tills Abreise zu Theo und seiner Schwester gebracht wurde. Also schrieb ich Theo heute und prompt wollte er sich mit mir treffen. Wann? „In 15 min“. Gut, das war’s dann erstmal wieder mit dem Blogeintrag, aber ich sah es als die erste chance, mal unter die Einheimischen zu kommen, außerhalb der Schule und Nachbarschaft. Theo ist ein sehr netter Mann mitte dreißig, der auch ziemlich gut Englisch spricht. Wir haben viel geredet über Ruanda und Deutschland, aber auch komplett andere Dinge. Unter anderem, was wir denn gerne für Sport treiben. So kamen wir drauf, dass er sehr gerne Volleyball spielt und dies auch meine lieblings Ballsportart ist. Also lud er mich und Lisa ein am Montag Nachmittag mal mit ihm zu einem Match zu kommen, dem ich gerne zugestimmt habe.
In einer Blechkiste brachten wir Momo zusammen zu uns nach Hause und verabschiedeten uns von Theo. Kurz darauf kam unsere Nachbarin Olivé vorbei und spielte mit Momo, wir arrangierten ein Katzenklo (alias Bottisch mit Erde) und schließlich haben wir spontan etwas Kinyarwanda zusammen gelernt. Eigentlich wollte sie sich gerade verabschieden, worauf ich mit ijoro ryiza (Gute Nacht) erwiderte. Sie war sehr überrascht und ich sagte ihr, dass ich mich bemühe, mehr Kinyarwanda zu lernen. Begeistert ist sie zurück ins Haus gestürmt und hat nach Blog und Stifte gefragt, um die Worte aufzuschreiben. Ja, bereits der Versuch die Sprache zu erlernen wird sehr geschätzt und gerne unterstützt.
Nun sitze ich hier zum dritten mal am Laptop, endlich dabei den Eintrag fertig zu stellen. Momo hat bis vor wenigen Minuten auf meinem Schoß zwischen Bauch und Laptop gelegen, während ich am tippen war.

Ich hoffe ich konnte meinen wirren Kopf halbwegs klar hier niederschreiben. Mir geht es hier wirklich sehr gut und ich fühle mich wohl. Ich denke das konnte man heraus lesen 🙂

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