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Elektrizität – Odysee mit EUCL Teil 1

Eigentlich wollte ich darüber schon lange etwas geschrieben haben, da es doch etwas anders hier läuft, als in Deutschland.

Vorab: Ruanda hat ebenfalls 230V Netzspannung bei 50Hz als Vorgabe. Die Steckdosen sind entweder flach und ohne Schutzleiter (Typ C) oder der “französische” Stecker (Typ E), wobei beide zum Eurostecker kompatibel sind. Der Typ E und unserer Typ F (Schuko) sind sich sehr ähnlich, weshalb die meisten Schukostecker auch im Typ E verwendet werden können.

Abgerechnet wird prepaid, das heißt man zahlt im voraus. Dafür hat man statt einem ollen analogen Stromzähler wie in Deutschland ein digitales Gerät mit Ziffernfeld und LCD Nummerndisplay, das Electricity Meter/Cash Power Meter. Wenn man Energie kaufen will, kauft man für einen bestimmten Betrag ein und bekommt als Gegenleistung einen 20 stelligen Code, den man am Electricity Meter eingibt. Man kauft also nicht direkt kWh, sondern für einen beliebigen Betrag ein. Das kommt daher, das es verschiedene Preisklassen gibt. Staatsbürger zahlen weniger als Residents zum Beispiel. Verbraucht ein Staatsbürger mehr als 15 kWh im Monat, so steigt der Preis auf etwa das doppelte pro kWh. Das Electricity Meter kommuniziert meines Wissens nach über das Mobilfunknetz mit dem Betreiber über die Preise usw.

Die Codes zum aufladen kann man in verschiedenen Shops kaufen oder, aufgepasst, jetzt wird es ganz modern: per “Mobile Money”. Das ist quasi ein Bankkonto, das man bei seinem Mobilfunkbetreiber hat und parallel zum normale prepaid Guthaben läuft. Man kann ganz einfach Geld von A nach B senden, Rechnungen bezahlen (z.B. Wasser), sogar Sportwetten abschließen (wobei ich persönlich ja nichts davon halte), und wer hätte es gedacht, Energie kaufen (hört sich auf Deutsch wahnsinnig dämlich an irgendwie). Alles nach dem kenianischen Vorbild M-PESA.

 

Nun, so soll das alles laufen und das ging bei unserem alten Haus auch wunderbar, die paar Ausfälle mal abgesehen. In unserem neuen Haus fing es mit flackernden Lampen an, mittlerweile bricht die Spannung abends teilweise auf unter 100V runter. Und das, obwohl das Umspannwerk keine 300m weiter ist. Das das Licht dabei halb ausgeht und der Toast im Toaster doppelt so lang braucht, hat mich recht wenig gestört. Kritisch sehe ich dabei unseren Kühlschrank, denn deren Kühlkompressoren sind ziemlich empfindlich. Was bei zu hoher Spannung passiert ist klar. Zu wenig kann dazu führen, dass der Kühlkompressor anspringen will, aber stehen bleibt, weil die Spannung nicht reicht. Dabei erhitzt er sich, kann sich aber nicht selbst abkühlen und brennt durch. Das wäre extrem ärgerlich.

Um dieses Problem etwas zu entschärfen haben wir schon 18000 Rwf in einen Spannungsstabilisierer investiert, der versucht die Spannung auf 220V zu halten. Fällt die Eingangsspanunng unter 170V ist Feierabend mit Ausgleich und der Ausgang sinkt synchron mit dem Eingang. Die Technik dahinter ist übrigens einfach ein großer Trafo mit mehreren Relais, die die Sekundärwicklung “anpassen” (es gibt mehrere Abgriffe).

Ich habe bereits intensiv nachgeforscht woher dieses Problem denn kommt, es ist nicht unsere Hausverkabelung schuld, es liegt eindeutig am Stromnetz. Das wollte mir erst keiner glauben, bis sie es selbst gesehen haben. Ich versuche seit Wochen, dass mal jemand vom Betreiber (EUCL) danach schaut, doch es tut keiner was. Selbst mit dem Chef von EUCL in Ruhango zu sprechen hat keinen Effekt gehabt.

Abgesehen vom Spannungsproblem wollten wir auch unser eigenes Electricity Meter haben um das bezahlen zu vereinfachen und sich nicht 5 Leute (also plus die Lehrer, die um uns herum wohnen) absprechen müssen. Heute kam doch dann tatsächlich ein Techniker in unserer Abwesenheit vorbei, hat das Ding montiert und ist abgehauen. Der Techniker der Schule und ich haben es fertig verklemmt und abends kommt die Überraschung: die allabendlichen Spannungsgefälle sind stark genug, dass die Elektronik spinnt und unseren Strom abschaltet, während das alte Electricity Meter munter weiter läuft (hat das neue kein Schaltnetzteil?!). So ist zumindest mein derzeitiger Stand der Nachforschung.

Da muss nun endgültig was dran gemacht werden. Wir rufen Morgen einen Techniker von EUCL und den werden wir nicht in Ruhe lassen, bis die Sache geklärt ist. Schließlich gibt es ja auch einen Grund für die niedrige Spannung. Entweder sind die Leitungen unterdimensioniert oder ein Transformator. Beides führt dazu, dass Energie verloren geht und sollte es der Trafo sein, so wird er bei solcher Überlast sicher nicht mehr lange leben. Spätestens dann, wenn das Teil in Flammen steht, wird man es hoffentlich mal ersetzen.

Und damit genug ausgekotzt, ich bin mal lieber froh, vor dem Freiwilligendienst noch in eine ordentliche Powerbank und Taschenlampe investiert zu haben.

 

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