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Kigali vs Nairobi – Vergleich

Ich lebe noch! Lange nichts mehr geschrieben, muss ich zugeben.

Ich war malwieder in Kenia/Nairobi, da hier Ferien waren. Eigentlich zieht mich so garnichts in diese Stadt, außer meiner Freundin, die dort lebt. “Dabei findet er Kigali doch so schön, warum Nairobi nicht?”, könnte sich manch einer denken. So viel Unterschied kann da doch gar nicht sein, oder?

Doch, kann es. Die beiden Hauptstädte liegen auf der Straße etwa 1200km voneinander entfernt, was schon recht viel ist. Man Unterschätzt die Entfernungen auf dem zweitgrößten Kontinent der Erde gerne. Was mir persönlich als besondere Unterschiede auffällt, möchte ich hier beschreiben. Eines haben jedoch beide Länder gemeinsam: Ein großen Stadt/Land Gefälle, weshalb man von der Stadt nicht auf’s Land schließen kann.

Außerdem werde ich Links zur Internetseite Numbeo einbinden. Dort können Einwohner der jeweiligen Städte diese nach verschiedenen Kriterien beurteilen und Punkte vergeben.

 

Kriminalität

Numbeo Vergleich

Kigali

Wer das erste mal in Kigali ankommt, wird sehr schnell feststellen, dass er Soldaten an jeder Ecke antrifft. Bei manchen Leuten führt das zum Trugschluss, dass in Ruanda eine Art Bürgerkrieg oder andere gefährliche Zustände herrschen. Dabei ist absolut das Gegenteil der Fall! Kigali ist eine sehr sichere Stadt mit nur wenigen Orten, an denen man etwas auf seine Taschen aufpassen muss (bspw. der zentrale Buspark Nyabugogo), was eben an der hohen Militärpolizeipräsenz liegt (der Unterschied zwischen Militär und Polizei ist nicht immer ganz klar. Schwere Kriminalität oder auch nur geringfügige Gewaltanwendung gibt es nur äußerst selten und habe ich in meinem gesamten Aufenthalt nicht ein einziges mal gesehen.

Bei Nacht ist Kigali in den Orten mit Straßenbeleuchtung so sicher wie bei Tag, ohne Licht sollte man auf jeden Fall vorsichtig sein.

Wer den Satz “Gelegenheit macht Diebe” respektiert, wird vermutlich niemals etwas in Ruanda gestohlen bekommen.

Nairobi

Nairobi hingegen ist ein echt hartes Pflaster. Fange ich mal mit der Innenstadt an, da dort fast alle Busse halten, auch meiner. Es ist sehr voll, eng und unorganisiert. Die Menge “hauptberuflicher” Diebe ist derart hoch, dass man das Handy am besten in der Tasche lässt, womit Google Maps als Orientierungshilfe raus fällt. Wenn jemand, besonders ein Weißer, etwas hilflos aussieht, ist man sofort ein potentielles Ziel. Passanten traut man in der Innenstadt ebenfalls grundsätzlich nicht. Es ist daher äußerst ratsam von jemandem abgeholt zu werden, wozu auch Taxis zählen. Dienste wie Uber sind weit verbreitet, relativ sicher und eine gute Alternative, wenn man alleine ist. Zur Kommunikation ist es sehr hilfreich, sich vorher ein billiges Tastenhandy zu kaufen, das klaut nämlich keiner.

Außerhalb der Innenstadt ist es meist deutlich angenehmer und entspannter, wobei man trotzdem immer folgende Dinge beachten sollte:

  • Handy und Hände in die Tasche, wenn viele Menschen an einem vorbeigehen.
  • Im Bus auch gut auf Wertgegenstände aufpassen. Es passiert sehr sehr häufig, das Dinge aus dem Fenster geklaut werden, selbst wenn das Fenster zu ist.
  • Versuche selbstbewusst und aufmerksam auszusehen, nicht “verloren” oder hilflos. Es gibt Weiße in Nairobi, die dort schon lange leben, weshalb Diebe nicht unbedingt Weiße als hilflos ansehen müssen.
  • Wehre dich unter keinen Umständen gegen Diebe! Auch Sachen zu verstecken, kann gefährlich werden. Meine Freundin wurde schon mit einer Waffe bedroht und hat jemanden an der Straße liegen sehen, der erschossen wurde. Ist man kooperativ, ist die Wahrscheinlichkeit von Gewaltanwendung gering.
  • Vertraue niemandem! In letzter Zeit wurde das hier z.B. populär bei Dieben: eine Person auf dem Sitz im Bus hinter einem selbst lässt eine Münze fallen und bittet dich, sie für dich aufzuheben. Selbst wenn du sie fallen gehört hast, guckst du nicht mal danach. Ignoriere es! Dies ist eins der vielen Ablenkungsmanöver, bei denen deine Tasche schneller weg ist, als du wieder nach oben geschaut hast. Gleiches gilt selbst für die Straßenkinder. Vor diesen muss man sich leider besonders in Acht nehmen. Wenn gebettelt wird, solltest du auf keinen Fall deinen Geldbeutel rausholen. Selbst wenn du sehr auf deinen Geldbeutel aufpasst, bist du nämlich so konzentiert, dass dir aufeinmal dein Handy fehlt. Manche Diebe Tragen auch einen Anzug, um nicht aufzufallen. Ich kann hier jetzt natürlich nicht alle Dinge auflisten. Es soll lediglich zeigen, wie krass es in dieser Stadt ist und das man ohne Pause wachsam sein muss.
  • Umgekehrt kannst du nicht darauf vertrauen, dass dir jemand helfen wird. Die Polizeipräsenz ist niedrig, besonders in der Innenstadt (da Polizisten entweder dafür bezahlt werden, nicht dort zu sein, oder es ihnen selbst zu gefährlich ist).
  • Wertgegenstände tief im Rucksack vergraben. Den Rucksack vorne auf dem Bauch tragen.
  • All dies sind nicht meine persönlichen Meinungen, sondern ist Allgemeinwissen der Einwohner von Nairobi und diese “Regeln” wurde mir mehrmals von verschiedenen Personen bestätigt. Auch “Abenteuer”-Touristen zu denen ich auch etwas gehöre, sollten dies respektieren. Die Situation hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlimmert!

Relativ sicher sind jedoch folgende Dinge:

  • Gated communites (Umzäuntes Gebiet mit vielen Wohnhäusern)
  • Personal der Busgesellschaften Fragen. Auffällig und hilfreich sind die “Conductors”, welche um ihren Bus umherlaufen und nach Passagieren suchen. Tragen oft ein Hemd/T-Shirt mit Logo.
  • Geschäfte, besonders wenn sie etwas teurer sind und eine Sicherheitskontrolle am Eingang haben. Wenn man auf jemanden wartet, sollte man sich in ein Café oder ähnliches setzen.
  • Tastenhandys benutzen, klaut keiner.
  • Taxis. Sowohl Motorrad als auch Auto-Taxis.

Vergleich

Jedes mal, wenn ich aus Nairobi zurück nach Kigali komme, bin ich derart paranoid, dass ich es 24h lang nicht schaffe, meine Hand von der Hosentasche zu lösen. Die fehlende Sicherheit ist eindeutig für mich der Hauptgrund, warum ich nicht so gerne in Nairobi bin. Zwischen den beiden Städten liegen hier Welten.

Kigali ist in vielen Punkten sicherer als deutsche Großstädte wie Frankfurt oder Berlin.

Ich fühle mich an den “schlimmsten” Orten Kigalis sicherer als an den meisten Nairobis (lediglich in manchen Gated Communites oder teuren Supermärkten fühlte ich mich sicherer).

 

Sauberkeit

Numbeo Link

Kigali

Kigali wurde bereits als sauberste Stadt Afrikas ausgezeichnet. Selbst der geschäftigste und unorganisierteste Ort in Kigali, Nyabugogo, ist sauber. Zum einen sind die Ruander meist achtsam mit ihrer Umwelt und werfen nur selten ihren Müll irgendwo hin. Dazu kommt, dass die Regierung viele Reinigungskräfte beschäftigt und jeden letzten Samstag im Monat (Umuganda), gemeinschaftliche Arbeit geleistet wird. Dazu gehört auch Reinigung. Die Regierung versucht, dass möglichst wenig Plastik in Umlauf gebracht wird, sehr erfolgreich sogar. Müll wird, wenn noch keine Müllsammlung eingerichtet wurde, hinterm Haus begraben. wo ihn keiner sieht und nicht weg geweht wird.

Die Luft ist hingegen nicht besonders gut, manchmal richtig schlecht. Meines Wissens nach gibt es in Ruanda keine Abgasuntersuchung bei Autos. Dieselfahrzeuge ziehen oft schwarzen Rauch hinter sich her.

Wasser sollte man auch nicht ohne weiteres aus dem Wasserhahn trinken.

Nairobi

Die Straßen in Nairobi sind meist im Bereich zwischen “moderat dreckig” bis “Müllhalde”. Es ist selten, dass mal jemand die Straße reinigt. Die Leute kehren den Dreck aus dem Haus oder Bus und dort bleibt er. Plastikflaschen sind eine echte Pest. Das Abwassersystem ist durch den ganzen Plastikmüll derart verstopft, dass es bei Regenfällen oft zu Überschwemmungen kommt (bei denen Abwasser aus der Kanalisation gedrückt wird, lecker).

Selbst wenn der Müll an einer Stelle gesammelt wird, geschied dies oft direkt an der Straße ohne Mülltüten, wo er von Wind und Regen verteilt wird.

Luft und Wasserqualität sind ähnlich zu Kigali, wobei die Luft im Schnitt vielleicht etwas besser in Kigali ist.

Vergleich

Hier unterscheidet es sich vor allem durch Müll, ansonsten sind beide Städte relativ ähnlich.

 

Wirtschaft

Numbeo Link zu Lebenshaltungskosten

Kigali

Ruanda hat vor ziemlich genau 24 Jahren einen der schlimmsten Völkermorde der Menscheitsgeschichte erlebt. Danach war die Wirtschaft am absoluten Boden und nur wenige Firmen konnten bestehen (z.B. die größte Brauerei, wer hätte das gedacht). Verglichen dazu hat Ruanda unglaubliche Fortschritte gemacht.

Trotz dieses Fortschritts und den Bemühungen Investoren anzulocken leidet Ruanda noch an vielen Ecken. Viele Ruander befinden sich im Teufelskreis in dem sie kein Geld haben, weil es zu wenig Arbeit gibt, gleichzeitig nur wenige das Startkapital für eine Firma, die wiederum Arbeitsplätze schaffen würde. Dazu kommt, dass Ruanda als Firmenstandort noch nicht sehr bekannt ist und Warentransport durch die fehlende Anbindung an Wasserwege teuer ist.

Die Präsenz europäischer und amerikanischer Konzerne ist recht gering. Man trifft hingegen oft auf Firmen aus Kenia. Chinesen und Inder sind auch sehr präsent.

Trotz alledem sind die Lebenshaltungskosten sehr gering, wenn man keinen Wert auf Luxus oder Importgüter legt. Das Kilo Kartoffeln habe ich zu günstigsten Zeiten für weniger als 20 Cent bekommen. Einfache Wohnungen sind auch in Kigali bezahlbar.

Nairobi

Eins der ersten Dinge, die mir dort aufgefallen sind, ist die Präsenz von Werbung auf der Straße. Der Kapitalismus blüht unter geringer Regulierung und hoher Korruption. Viele internationale Firmen haben hier einen Standort. Dennoch ist auch hier die Arbeitslosigkeit hoch.

Die Lebenshaltungskosten sind in Nairobi deutlich höher, als in Kigali. Kartoffeln kosten dort z.B. 1€ das Kilo.

Vergleich

Nairobi hat hier einen deutlichen Vorsprung zu Kigali, was wohl viel auf die Nähe zur Küste und längere “Entwicklungszeit” zurückzuführen ist. Ich habe mir auch sagen lassen, dass das Nachtleben in Nairobi besser sein soll.

Der klare Vorteil an Kigali ist, dass dort noch viele Marktlücken gefüllt werden müssen, was es wahrscheinlicher macht, mit einem Startup erfolgreich zu sein.

 

Verkehr und Transport

Kigali

Viele Straßen wurden in den letzten Jahren erneuert, und zwar nicht zu knapp. Man hat in die Zukunft gedacht und die Straßen breiter gemacht, als sie zu jenem Zeitpunkt hätten sein müssen. Es gibt jedoch einen Hotspot, wo es hakt. Das ist Nyabugogo (hab ich mittlerweile ziemlich oft erwähnt). Es ist der “Haupteingang” in die Stadt und ziemlich überlastet. Derzeit wird die Straße dort breiter gemacht. Ansonsten gibt es nur wenige Staus, was der guten Stadt- und Straßenplanung zu verdanken ist.

Motorradtaxis spielen eine große Rolle und sind in großen Zahlen überall. Sie verstopfen die Straßen weniger als Autos, versuchen sich aber immer zwischen den Autos durchzuquetschen, was es unübersichtlicher und chaotischer macht. Busse innerhalb der Stadt sind ziemlich gut organisiert. Seit einem Jahr kann (muss) man sogar kontaktlos mit Chipkarten bezahlen, was sehr schnell und angenehm ist.

Nairobi

Stau ist fast allgegenwärtig. Die Stadt ist wild und unreguliert gewachsen. Die Straßen sind zu eng, alles wird durch die Innenstadt geleitet. Mittlerweile werden die Straßen breiter gemacht so weit es geht und man versucht irgendwie, die Innenstadt zu entlasten. Das geht aber nur langsam voran. Viele Straßen haben sehr tiefe Schlaglöcher. Es gibt bis heute keinen richtigen Busbahnhof. Reisebusse stehen in der Innenstadt der Reihe nach am Straßenrand, ähnlich wie die kleineren Stadtbusse.

Busse werden hier “Matatus” genannt und sind schon fast ein Teil der Kultur. Die meisten sind bunt, haben Unmengen an Stickern, LEDs, laute Musik mit Bassbox hinten drin und fahren wie Geisteskranke. Einfach mal nach “Matatu culture” bei Google oder Youtube suchen. Diese Matatu Kultur hat den Nachteil, das es nicht wirklich organisiert ist und die Preise durch die Betreiber festgelegt werden. Am Anfang ist das zwar ganz cool, auf Dauer aber eher stressig.

Motorradtaxis gibt’s auch hier, genannt Boda Boda. Allerdings deutlich weniger als in Kigali. Außerdem haben alle Motos in Kigali zwei Helme, während viele in Nairobi nicht mal einen haben.

Vergleich

Der katastrophale Verkehr in Nairobi ist der zweite Hauptgrund, warum ich in dieser Stadt nicht wohnen wollen würde. Man sieht ganz klar, wo besser geplant wurde.

 

Abschluss

Nairobi hat deutlich mehr zu bieten als Kigali an Freizeitbeschäftigungen und Jobs. Dafür ist Nairobi eine sehr frustriende und stressige Stadt auf Dauer. Sie verliert abgesehen vom Punkt Wirtschaft in allen anderen Punkten gegenüber Kigali für mich.

An meinem letzten Abend in Nairobi hatte ich mich noch darüber Unterhalten, wieviele Kenianer einmal nach Kigali kamen und nie wieder in ihr Heimatland wollten.

Kigali macht derzeit eine sehr positive Entwicklung. Aufgrund der erstklassigen Rahmenbedingungen hoffe ich, dass sich hier noch mehr Firmen ansiedeln werden. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Ruanda in naher Zukunft die Schweiz oder Luxemburg Ostafrikas wird. Die Stadt wächst und verändert sich unglaublich schnell. Ich habe mir gerade nochmal Bilder von einer Freiwilligen aus 2013 angeschaut. Man könnte glauben, es sei eine andere Stadt.

Meine Meinung mag etwas voreingenommen sein und ist, ich sage es nochmal, Meinung.

Mit Sicherheit gibt es noch andere Kriterien, anhand derer ich hätte vergleichen können. Diese waren lediglich die für mich am wichtigsten.

Nichts desto trotz, beide Städte sind einen Besuch wert. Auch Nairobi hat seine schönen Seiten.

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